„Keine einzige Kündigung und so soll es auch bleiben“
Michael M. und Luis C. arbeiten in der Feinkost- bzw. in der Getränkeabteilung bei der Firma Transgourmet. Sie sind seit einiger Zeit in Kurzarbeit. Ronny F. ist Betriebsrat.
Michael: Mir geht es gut, ich kann nur Positives berichten, die Krise schweißt uns in der Belegschaft zusammen. Es gibt sogar weniger Konflikte, das hat bestimmt mit dieser außergewöhnlichen Situation zu tun. Unser Dienst schaut so aus: Wir arbeiten zwei Wochen durch und haben dann zwei Wochen frei. Es ist gut, dass es den Schichtbetrieb gibt, weil es uns und die Kundschaft schützt, wenn nicht zu viele MitarbeiterInnen da sind.
Am Anfang der Krise waren die KundInnen sehr nervös. Doch das mit den Panikeinkäufen ist jetzt vorbei. Wir warten und hoffen, dass die Gastronomie bald aufsperren darf. Zurzeit bin ich allein in der Abteilung. Mir hilft das Reden über die Krise, mit meiner Oma telefoniere ich viel und hoffe, dass die Normalität wieder einkehrt. Mit dem Geld komme ich gut über die Runden, ich bin sparsamer und beim Einkaufen überlege ich jetzt öfters: „Brauche ich das wirklich?“ Ich denke aber an die Menschen, die Schulden haben, da spüre ich schon die Verunsicherung, wie lange das Geld reicht.
Von der Politik wünsche ich mir ein Umdenken, dass die Wertschätzung für die Leute auch bei den KV-Verhandlungen spürbar wird.
Luis: Auch mir geht es gut, ich fühle mich sicher. Ja, es ist eine Umstellung und ungewöhnlich. Momentan ist es ruhig in der Getränkeabteilung, ich bin allein und es ist genug zu tun. Die Kundschaften sind nett, halten den Abstand und die Maskenpflicht ein. Ich bin froh, dass ich Arbeit habe, es könnte auch anders sein. Ich würde mir wünschen, die Kollegen von der anderen Schicht wieder zu treffen. Mit dem Geld ist schon knapp – ich wohne allein und die Fixkosten werden nicht weniger. Zwei bis drei Monate sind ok, bei vier bis fünf Monaten Kurzarbeit wird es schwieriger. Mir hilft das Radfahren und Ronny, unser Betriebsrat. Auf den kann ich mich verlassen und das hilft mir gerade in der Zeit der psychischen Belastung.
Ronny: Ich möchte noch anmerken, dass unser Betrieb zu 90 % von der Gastronomie abhängig ist und es wichtig wäre, wenn diese wieder in die Gänge kommt. Es sind vorerst 3 Monate Kurzarbeit ausverhandelt – eine Erweiterung auf 6 Monate ist aber nicht ausgeschlossen. Danach wird alter Urlaub aufgebraucht, um so lange wie möglich ohne Mitarbeiterabbau auszukommen. Bei uns gab es keine einzige Kündigung und so soll es auch bleiben. Wir Betriebsräte und die Geschäftsführung wollen Sicherheit und Zuversicht vermitteln und entsprechend handeln. Das haben sich unsere fleißigen, engagierten MitarbeiterInnen einfach verdient!
Die drei Mitarbeiter der Firma Transgourmet sprechen über ihre Sicht auf die Kurzarbeit in der Firma.